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»Koch mit Leib und Seele«

Portrait von ShadyBackgammonGewürze

Shady Elwan über deutsche Unis, die orientalische Küche und seinen Traum von der eigenen Bar

Arbeitslosigkeit, Ausbildungsmisere, Abwanderung: Im Osten Deutschlands, so scheint es, geht es immer nur bergab.

Die KREUZER-Serie »Traumjob« sagt der Depression den Kampf an und stellt junge Menschen vor, die in Leipzig beruflich ihr Glück suchen. Sie berichten von ihrer gegenwärtigen Arbeit und geben Einblicke in ihre Hoffnungen, Ängste und Erfahrungen.

Ich komme aus Nazareth in Israel. Nach dem Abitur bin ich nach Italien und dann nach Spanien gegangen, wo ich eigentlich studieren wollte. Doch eines Tages rief mich mein Cousin an, der damals in Münster studierte, und lud mich zu einem Besuch nach Deutschland ein. Am Ende bin ich dann sechs Monate geblieben und habe angefangen, mich an deutschen Unis zu bewerben. Leider mit dem Ergebnis, dass ich zurück nach Hause fliegen musste, weil ich kein Visum beantragt hatte.

Zurück in Israel habe ich dann rund 50 Bewerbungen verschickt und bin letzten Endes von nur drei Universitäten akzeptiert worden. Das waren Leipzig, Rostock und Freiburg. Weil Rostock damals eine ganz heikle Sache in Bezug auf Ausländer war, kam das nicht in Frage. Und Freiburg im Breisgau haben wir mit Freiberg in Sachsen verwechselt. Mein Cousin sagte: Geh nach Leipzig, Freiberg ist noch viel weiter im Osten. Ohne selbst noch mal in den Atlas zu schauen, bin ich dann also hierher gekommen.

In Leipzig habe ich zunächst einen Sprachkurs belegt und dann mit dem Studium der Sozialpädagogik angefangen. Zu Beginn habe ich mich nicht sehr wohl gefühlt. Ich war sehr zurückhaltend und hatte kaum Freunde, bis mir klar wurde: Du musst dein Leben selbst in die Hand nehmen.

Meine Wurzeln liegen in der Gastronomie und im Baugewerbe. Zu Hause war es immer eine Kunst, diese Dinge harmonisch miteinander zu kombinieren: das Ästhetische für die Augen und das Beruhigende für den Magen mit dem Stress bei der Arbeit auf dem Bau. Deshalb habe ich auch in Leipzig angefangen, neben dem Studium als Koch zu jobben – im Barcelona. Das war im Sommer 1998. Dabei hatte ich immer meinen eigenen Stil: Meine Teller sahen anders aus, farbiger, und das Essen hat auch anders geschmeckt, denn ich habe andere Gewürze verwendet.

Mit der Zeit habe ich mich nach mehr Kommunikation gesehnt. Da kamen zwar immer mal ein paar
Freunde von mir in der Küche vorbei, aber das wars auch schon. Beim Gottschedstraßen-Fest im Sommer 1998 hatte ich dann Gelegenheit, im Service auszuhelfen, habe mein Können unter Beweis gestellt und von da an als Kellner und Barkeeper gearbeitet. In den viereinhalb Jahren im Barcelona habe ich gezeigt, was ich kann und mir einen Namen gemacht.

Vor zweieinhalb Jahren habe ich dort aufgehört. Denn einer der Betreiber wollte einen eigenen Laden eröffnen, die Lucca-Bar, und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, dort Geschäftsführer zu werden. Ich habe sein Angebot begeistert angenommen.

Anfangs lief das nicht so gut. Wir hatten nur kalte Küche, und der Chef wollte am Konzept auch nichts ändern. Da habe ich die Kellner gebeten, eine Woche lang das Trinkgeld zu sparen, und davon eine Herdplatte gekauft, so dass wir auch Suppen anbieten konnten. Das kam an bei den Gästen, und mir ist bewusst geworden, dass ich in der Gastronomie verdammt gut aufgehoben bin. Egal, ob in der Küche, als Kellner oder als Barkeeper.

Irgendwann wollte ich dann mal wieder etwas Neues ausprobieren und eine eigene Bar aufmachen. Ein Bekannter sagte: Ich hab da was für dich. Das frühere Konrads in der Körnerstraße. Ich könnte es übernehmen und so gestalten und einrichten, wie ich will. Gesagt, getan. Im August soll es nun soweit sein, dann will ich das »Shady« aufmachen.

Ich möchte in Leipzig eine Mittelmeerküche mit orientalischem Hauch aufbauen. Ich fühle mich so ein bisschen als Botschafter des Orients. Ich integriere mich hier, aber ich möchte auch meine Wurzeln nicht verlieren. Das zu kombinieren und mit sich selbst zu vereinbaren, ist manchmal sehr schwierig, aber nicht unmöglich. Ich bin Koch mit Leib und Seele, und ich will das gern so weitergeben, dass es den Leuten gut tut.

AUFGESCHRIEBEN VON MAJA ROSECK
Kreuzer, Das Leipziger Stadtmagazing
Juli 2005

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